Sicht einer Besucherin

Ich bin Sarah Bergmann, 24 Jahre alt und studiere Jura an der HU. Ich habe vor 10 Jahren das erste Mal einen Fuß ins Dosto gesetzt.

Das Dosto war und ist ein Ort an dem ich mich zu Hause fühle. Ich habe dort mit die beste Zeit meines Lebens verbracht, auf Konzerten, den Hoffesten, der Street-Parade oder bei Selbstverteidigungsseminaren. Bei den Infoabenden habe ich gelernt über den Tellerrand zu gucken und mich weltoffener zu orientieren.

Das Organisieren von Konzertveranstaltungen bzw. mich in den Job der Veranstaltungstechnikerin hineinzufinden hat mir im Nachhinein in meinem Lebenslauf viel genutzt. Ich habe die Lehre zwar letztendlich doch nicht gemacht, sondern habe in England Musikmanagement studiert, aber ohne das Dosto hätte ich im Leben nicht gewusst wohin mit mir nach dem Abitur.

Persönlich war die Konzert AG mein Interessenbereich, meine Freunde und ich konnten uns Demobänder anhören, die Bands, die uns gefielen einladen, Flyer designen, ein Team, das für den Abend sowie das Aufräumen verantwortlich war, zusammen suchen und einen reibungslosen Ablauf für diesen speziellen Abend garantieren. Dabei haben die Sozialarbeiter uns unterstützt, uns Hilfestellungen gegeben sowie auch einfach mal zugehört, wenn es zu Hause oder in der Schule mal nicht so gut lief. Ein offenes Ohr konnte man im Dosto immer finden, daran hat sich übrigens auch nichts geändert.

Ich zähle die Mädchenfahrt nach Klopotowo sowie die Paddeltour auf der Brda in Polen zu meinen erlebnisreichsten Urlauben, in denen ich viel über mich selbst, über den Umgang mit anderen Menschen, Verantwortung tragen etc. gelernt habe. Solcherlei people skills (wie sie genannt werden) sind bei Bewerbungsgesprächen zwingend. Wer nicht im Team arbeiten kann wird es im Leben und auch im Beruf schwer haben.

Das hinter der Bar arbeiten und mich um organisatorische Angelegenheiten zu kümmern, hat mir viele Türen geöffnet. In London habe ich so mein gesamtes Studium sowie meinen Aufenthalt über vier Jahre eigenständig finanziert.

Im Dosto reifen Kinder bzw. junge Erwachsene heran, lernen für ihre Taten selbst Verantwortung zu übernehmen, kreativ zu sein (in Bands, beim Basteln/Siebdruck/Flyergestaltung, neue Sportarten auszuprobieren) sowie kritisch lebensalltägliche Sachverhalte zu hinterfragen und einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Wenn man keinen Ort mehr hat, an dem man tolle Menschen kennenlernen kann, Kicker spielen kann, einfach mal laut sein kann, sich frei fühlen, dann dreht sich am Ende nur noch alles um Leistungsdruck und den immer schneller werdenen Alltag, in den man viel zu schnell reinrutschen muss. Ich denke, Spaß haben tritt in unserer Leistungsgesellschaft immer mehr in den Hintergrund und das Dosto ist ein Ort, wo gemeinsam Projekte verwirklicht werden (wie der Kampf um ein neues Gebäude 2005/2006), gemeinsam gekocht wird, man zu Konzerten, Ausstellungen, Selbstverteidigungs- oder anderen Seminaren fährt oder diese organisiert etc.

All dies kann hier durch das Engagement der Jugendlichen, der Sozis und mit der Unterstützung der staatlichen Gelder sowie der Stadt durchgeführt werden und es wäre ein Armutszeugnis ein so wichtiges Projekt dem Erdboden gleich zu machen.