Sicht des Vorstandes

Die Jugendbildungs- und Freizeitinitiative Bernau e.V. (bif e.V.) ist Träger des Jugendtreffs DOSTO und damit seine rechtliche Form. Ich bin Christin Jänicke und seit zwei Jahren ehrenamtlicher Vorstand des biF e.V.

Mir ist es wichtig, die Struktur des Vereins zu erklären und auf dessen Leitbild einzugehen, welches den Rahmen für die Jugendarbeit und Sozialarbeit des Jugendtreff DOSTO darstellt. Einen Schlenker werde ich außerdem zur politischen Bildungsarbeit machen.

Das DOSTO ist einzigartig in Bernau Dosto steht für "Sehenswürdigkeit" und genau das ist es. Ich lade Alle herzlich ein, sich selbst ein Bild zu machen.

Das Besondere am DOSTO ist, dass Jugendliche, die den Jugendclub besuchen und sich engagieren, sich oftmals innerhalb des Vereins organisieren. Wie Sarah bin ich, seit ich 14 Jahre alt bin, im Club aktiv. Genau diese ehrenamtliche Arbeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bildet die Basis des Jugendclubs, denn der Verein und damit der Jugendtreff DOSTO lebt vom selbstbestimmten und selbstverwalteten Engagement der Jugendlichen. Um diese Arbeit zu qualifizieren gibt es in regelmäßigen Abständen Versammlungen, an denen alle Engagierten und Interessierten teilnehmen können. Darüber hinaus gibt es zweimal im Jahr gemeinsame Seminare, bei denen es um die Planung von Projekten, Ideensammlung und Konzeptentwicklung, ebenso wie um die Reflexion der bisherigen Projekte geht.

Der biF ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Dieser besteht aus den Vereins-mitgliedern und zwei ehrenamtlichen Vorständen. Der biF verfügt darüber hinaus derzeit über 1,5 Stellen – d.h. zwei sozialpädagogischen Angestellte. Die Arbeit des Jugendtreffs wird getragen von der Satzung des Vereins und einem Leitbild, dass regelmäßig überarbeitet wird. Die wesentlichen Punkte des Leitbildes möchte ich Ihnen jetzt vorstellen, die gesamte Fassung finden Sie in den Unterlagen vor Ihnen.

Das Leitbild
Uns als Träger ist es ein Anliegen, in unserer Arbeit mit den Jugendlichen, eine demokratische Jugendkultur, welche auf Selbstbestimmtheit und Selbstständigkeit beruht zu etablieren. Das setzt die Annahme voraus, dass Jugendliche ernstgenommen werden und auch Verantwortung übernehmen. Unser Selbstverständnis beinhaltet einen antifaschistischen, antisexistischen, antirassistischen und nicht kommerziellen Grundkonsens. Für uns heißt das, jede Art der Diskriminierung, auch jene, die nur latent zum tragen kommt aufzudecken und dagegen zu wirken.

In der Eigenschaft als Träger achten wir darauf, dass unsere Einrichtung allen Jugendlichen gleichermaßen offen steht. Unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Bildungshintergrund, Religion oder andere Zuschreibungen arbeiten wir unvoreingenommen mit allen Jugendlichen.

Die Ziele unserer pädagogischen Arbeit sind:
  1. Sensibilisierung für eigene Bedürfnisse und Interessen, diese wahrzunehmen und Unterstützung bei der Verwirklichung
  2. Probleme und Konflikte gewaltfrei und demokratisch lösen durch das Erlernen und Erfahren von Respekt, Achtung und Rücksichtnahme, Empathie und Solidarität im Umgang miteinander
  3. Mitgestaltung durch eigenverantwortliches Handeln ermöglichen und fördern

Gemeinwesensorientierung

Ein Teil des Leitbildes stellt die Gemeinwesensorientierung dar, auf die ich kurz eingehen werde:

Der Träger sieht sich in seiner Form des gemeinnützigen, eingetragenen Vereins als Teil der Gesellschaft. Wir achten und schätzen die Möglichkeiten des Engagements, die es in der Bundesrepublik gibt und verstehen unsere Arbeit als Förderung, Unterstützung und Bereicherung des Gemeinwesens.

Wir sind bewusst in Bernau und seiner näheren Umgebung aktiv: Wichtiger Bestandteil unseres Alltags ist das zivilgesellschaftliche Engagement in verschiedenen Netzwerken und Gremien: Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit kommunalen Partner_innen, wie dem Bernauer Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit, anderen Jugendeinrichtungen der Stadt sowie Fraktionen und Politiker_innen des städtischen Parlamentes. Auch auf regionaler und überregionaler Ebene sind wir aktiv. So sind wir u.a. Mitglied des DJB e.V. (Demokratisches JugendFORUM Brandenburg e.V.) oder wirken an anderen Projekten und Kampagnen mit. Ich selbst saß für das Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit im Begleitausschuss des LAP und nehme an regelmäßigen Treffen des Landesweiten Aktionsbündnis Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit teil. Zu unserer Netzwerkarbeit gehört auch die Zusammenarbeit mit Schulen. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen, die sich z.T. auch im DOSTO trafen, organisierte ich Projekte am Gymnasium zu Thema Nationalsozialismus, Migration und Zivilcourage, wodurch die Schule den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" erlangten. Das Engagement des Vereins und vieler Aktiver des DOSTOs gegen Nazis, Rassismus und Antisemitismus ist seit fast 20 Jahren fester Teil dieser Stadt.

Emanzipatorische-Partizipatorische Bildung Die Grundlagen unseres Leitbildes spiegeln sich in allen Projekten wieder. Gesellschaftliche und politische Bildungsarbeit ist EINES von vielen Projekten des Dostos. In den letzten Wochen war dieser Teilbereich Gegenstand von Diskussionen, u.a in der MOZ. Da ich mich in den letzten Jahren in der politischen Bildungsarbeit engagiert habe, möchte ich darauf nun näher eingehen:

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz bestimmt den gesetzlichen Rahmen unserer Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit. Hier heißt es unter Paragraf 11:

Schwerpunkte der Jugendarbeit sind u.a.: „ außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung,“

Soweit klar. Aber was meint politische Jugendbildung? Die Frage wurde in Gesprächen mit Stadtverordneten, Bürger_innen und der MOZ mehrfach aufgeworfen. Ich würde antworten:
„Politische Jugendbildung bestärkt junge Menschen in ihrer Entwicklung zu selbstbestimmten, demokratisch handelnden Bürgerinnen und Bürgern. Sie fördert den individuellen und gemeinsamen Meinungsbildungsprozess über gesellschaftliche und politische Vorgänge. Sie fördert Selbstbewusstsein, Teilhabefähigkeit und die Lust, sich einzumischen. Gelernt wird an konkreten Fragen des Lebens – dort, wo Kinder und Jugendliche in der Lage sind, etwas zu tun, sich zu engagieren und mitzuwirken.“

Das trifft so ziemlich den Kern unserer Arbeit. Die Antwort stammt aber nicht von mir, sondern ist ein Zitat des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema politischer Bildung.

Ziel unserer Bildungsarbeit ist es, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass gesellschaftliche Verhältnisse von Menschen gemacht und somit veränderbar sind. Konkret bedeutet das: einen Ort des Nachdenkens und der Reflexion über politischen und gesellschaftliche Prozesse und die eigenen Position darin zu schaffen. Die Bildungsarbeit soll die Selbstbestimmung sowie die demokratische Teilhabe fördern. Das heißt auch: Kritik üben und gesellschaftliche Diskussion anstoßen bzw. sich beteiligen.

Letztlich ermöglicht genau diese Arbeit, dass sich junge Menschen als mündige Bürger_innen kritisch (!) an der Gesellschaft beteiligen. Und das macht eine funktionierende Demokratie aus!